Wohnwagen fahren darfst du mit dem Führerschein der Klasse B, solange Auto und Wohnwagen zusammen höchstens 3.500 Kilogramm zulässige Gesamtmasse haben. Schwerere Gespanne verlangen B96 oder BE. Auf deutschen Autobahnen gilt Tempo 80, mit Tempo-100-Zulassung sind 100 km/h erlaubt.
Die Klasse B deckt Gespanne bis 3.500 Kilogramm ab, B96 reicht bis 4.250 Kilogramm, BE bis 7.000 Kilogramm. Die Tempo-100-Zulassung gilt nur in Deutschland und setzt ABS am Zugfahrzeug, Reifen unter sechs Jahren und ein passendes Masseverhältnis voraus. Im Ausland liegen die Limits für Gespanne zwischen 70 und 130 km/h. Eine hohe Stützlast und schwere Ladung über der Achse halten den Wohnwagen ruhig. Österreich verlangt für den Wohnwagen keine eigene Vignette, die Schweiz schon.
Welchen Führerschein brauchst du zum Wohnwagen fahren?
Zum Wohnwagen fahren reicht der Führerschein der Klasse B, wenn die zulässigen Gesamtmassen von Auto und Wohnwagen zusammen höchstens 3.500 Kilogramm ergeben. Die Erweiterung B96 erlaubt Gespanne bis 4.250 Kilogramm, die Klasse BE erlaubt Anhänger bis 3.500 Kilogramm.
Entscheidend ist die zulässige Gesamtmasse aus den Fahrzeugpapieren und nicht das Gewicht, das dein Gespann gerade auf die Waage bringt. Du findest den Wert in der Zulassungsbescheinigung Teil I im Feld F.2, einmal für das Auto und einmal für den Wohnwagen. Beide Zahlen addierst du. Ein Kombi mit 2.100 Kilogramm und ein Wohnwagen mit 1.300 Kilogramm ergeben 3.400 Kilogramm. Dieses Gespann fährst du mit Klasse B.
Die Klasse B kennt zwei Fälle. Anhänger bis 750 Kilogramm zulässiger Gesamtmasse darfst du immer ziehen, auch hinter einem Auto mit 3.500 Kilogramm. Schwerere Anhänger sind erlaubt, solange die Summe bei 3.500 Kilogramm bleibt. Fast jeder Familienwohnwagen wiegt mehr als 750 Kilogramm, deshalb zählt in der Praxis die Summenregel.
B96: sieben Stunden Schulung ohne Prüfung
B96 ist keine eigene Führerscheinklasse, sondern eine Schlüsselzahl, die in den Führerschein der Klasse B eingetragen wird. Sie gilt für Gespanne über 3.500 bis 4.250 Kilogramm zulässiger Gesamtmasse. Die Fahrerlaubnis-Verordnung schreibt eine Fahrerschulung von mindestens sieben Stunden vor: zweieinhalb Stunden Theorie, dreieinhalb Stunden praktische Übungen und eine Stunde Fahrt im Straßenverkehr. Eine Prüfung gibt es nicht. Laut ADAC kostet B96 je nach Fahrschule und Bundesland 300 bis 500 Euro.
BE: fünf Pflichtfahrstunden und praktische Prüfung
Die Klasse BE erlaubt Anhänger bis 3.500 Kilogramm hinter einem Zugfahrzeug der Klasse B. Das Gespann darf damit bis zu 7.000 Kilogramm zulässige Gesamtmasse haben. Wer die Klasse B besitzt, absolviert fünf Pflichtfahrstunden: drei Überlandfahrten, eine Autobahnfahrt und eine Nachtfahrt. Am Ende steht eine praktische Prüfung, eine Theorieprüfung entfällt. BE lohnt sich, wenn du ein schweres Zugfahrzeug wie einen SUV oder Transporter mit einem großen Wohnwagen kombinierst.
Besitzer des alten Führerscheins der Klasse 3, ausgestellt vor 1999, haben die Klasse BE bereits im Bestand. Beim Umtausch in den Kartenführerschein bleibt dieses Recht erhalten.
Wie viel Anhängelast und Stützlast darf dein Gespann haben?
Die Anhängelast gibt an, wie schwer der Wohnwagen tatsächlich sein darf, den dein Auto zieht. Die Stützlast gibt an, mit wie viel Gewicht die Deichsel auf die Anhängekupplung drückt. Beide Werte stehen in der Zulassungsbescheinigung Teil I des Zugfahrzeugs.
Die Anhängelast für gebremste Anhänger steht im Feld O.1, die für ungebremste Anhänger im Feld O.2. Wohnwagen haben fast immer eine Auflaufbremse, für dich zählt also O.1. Anders als beim Führerschein kommt es hier auf das tatsächliche Gewicht an. Ein Wohnwagen mit 1.500 Kilogramm zulässiger Gesamtmasse darf hinter einem Auto mit 1.400 Kilogramm Anhängelast fahren, wenn er real höchstens 1.400 Kilogramm wiegt.
Die Stützlast des Autos findest du im Feld 13. Auch der Wohnwagen hat eine zulässige Stützlast, sie steht auf dem Typschild an der Deichsel. Es gilt immer der kleinere der beiden Werte. Üblich sind 50 bis 100 Kilogramm. Die Straßenverkehrs-Zulassungs-Ordnung verlangt in Paragraf 44 mindestens 4 Prozent des tatsächlichen Anhängergewichts, wobei mehr als 25 Kilogramm nicht vorgeschrieben sind.
Zwei Punkte werden oft übersehen. Die Stützlast zählt zur Zuladung des Autos, sie fehlt dir also für Gepäck und Mitfahrer. Und ein Fahrradträger auf der Deichsel erhöht die Stützlast um das Gewicht von Träger und Rädern. Messen kannst du die Stützlast mit einer Stützlastwaage aus dem Campingzubehör oder mit einer Personenwaage und einem Kantholz in Kupplungshöhe.
Die Gewichtsangabe im Prospekt beschreibt den leeren Wohnwagen in Serienausstattung. Markise, Mover, Batterie, zweite Gasflasche und Fahrradträger kommen dazu und wiegen zusammen schnell über 100 Kilogramm. Die verbleibende Zuladung kennst du erst nach einer Fahrt auf die Waage. Öffentliche Fahrzeugwaagen stehen bei Wertstoffhöfen, Baustoffhändlern und landwirtschaftlichen Genossenschaften, das Wiegen kostet dort meist nur wenige Euro. Wiege das Gespann reisefertig beladen und einmal nur den Wohnwagen. Aus beiden Werten ergibt sich, ob Anhängelast und Gesamtmasse eingehalten sind.
Welche Voraussetzungen gelten für die Tempo-100-Zulassung?
Die Tempo-100-Zulassung erlaubt Gespannen 100 statt 80 km/h auf deutschen Autobahnen und Kraftfahrstraßen. Voraussetzungen sind ein Zugfahrzeug bis 3.500 Kilogramm mit ABS, Wohnwagenreifen unter sechs Jahren mit Geschwindigkeitsindex L und ein festgelegtes Masseverhältnis zwischen Auto und Wohnwagen.
Die Regelung besteht laut PiNCAMP, dem Campingportal des ADAC, seit 1998. Sie gilt nur auf Autobahnen und Kraftfahrstraßen. Auf Landstraßen bleibt es für jedes Gespann bei 80 km/h, innerorts bei 50 km/h. Die Details erklärt der Ratgeber Tempolimit für Wohnwagengespanne von PiNCAMP.
Das Masseverhältnis berechnest du mit einem Faktor. Die zulässige Gesamtmasse des Wohnwagens darf höchstens so groß sein wie die Leermasse des Zugfahrzeugs mal diesem Faktor:
- Faktor 0,3: Anhänger ohne Bremse oder ohne hydraulische Stoßdämpfer.
- Faktor 0,8: Wohnwagen mit Bremse und hydraulischen Stoßdämpfern.
- Faktor 1,0: Wohnwagen mit zusätzlicher Stabilisierungseinrichtung, zum Beispiel einer Antischlingerkupplung.
- Faktor 1,1 oder 1,2: andere Anhänger mit hydraulischen Stoßdämpfern, zum Beispiel Pferdeanhänger oder Kofferanhänger. Der Wert 1,2 gilt mit Stabilisierungseinrichtung.
Ein Rechenbeispiel: Dein Auto hat eine Leermasse von 1.600 Kilogramm. Mit Faktor 0,8 darf der Wohnwagen höchstens 1.280 Kilogramm zulässige Gesamtmasse haben. Mit Antischlingerkupplung und Faktor 1,0 sind es 1.600 Kilogramm. Die Grenze der Anhängelast aus den Fahrzeugpapieren gilt zusätzlich.
Bei den Reifen zählt das Herstellungsdatum auf der Reifenflanke, die sogenannte DOT-Nummer. Die vier Ziffern nennen Woche und Jahr, 2321 steht für die 23. Woche 2021. Nach sechs Jahren erlischt die Tempo-100-Berechtigung, auch wenn das Profil noch gut ist. Der Geschwindigkeitsindex L steht für 120 km/h.
Den Weg zur Plakette gehst du in zwei Schritten. Eine Prüforganisation wie TÜV oder DEKRA bestätigt, dass der Wohnwagen die technischen Bedingungen erfüllt. Viele neuere Wohnwagen haben diese Bestätigung bereits ab Werk in den Papieren. Die Zulassungsstelle trägt Tempo 100 ein und gibt die gesiegelte Plakette aus, die hinten am Wohnwagen klebt. Ob dein Zugfahrzeug zum Wohnwagen passt, prüfst du bei jedem Fahrzeugwechsel neu.

Wie schnell darfst du mit dem Wohnwagen im Ausland fahren?
Mit dem Wohnwagen fährst du im Ausland je nach Land zwischen 70 und 130 km/h. Italien und Dänemark begrenzen Gespanne auf der Autobahn auf 80 km/h, Kroatien und Spanien auf 90 km/h. Frankreich erlaubt leichten Gespannen 130 km/h. Die deutsche Tempo-100-Plakette gilt im Ausland nicht.
Die Tabelle zeigt die Limits für Pkw mit Wohnwagen über 750 Kilogramm. Innerorts gilt in allen neun Ländern 50 km/h als Regelgeschwindigkeit, sofern Schilder nichts anderes anordnen. In Spanien sind es auf Stadtstraßen mit nur einer Spur pro Richtung 30 km/h.
| Land | Landstraße | Autobahn | Besonderheit für Gespanne |
|---|---|---|---|
| Deutschland | 80 km/h | 80 km/h | 100 km/h mit Tempo-100-Zulassung auf Autobahnen und Kraftfahrstraßen |
| Österreich | 80 km/h | 100 km/h | Gespanne über 3.500 kg Gesamtmasse: 70 km/h und 80 km/h |
| Schweiz | 80 km/h | 100 km/h | 100 km/h seit 2021 für Anhänger bis 3.500 kg, wenn Auto und Anhänger dafür zugelassen sind. Sonst 80 km/h |
| Italien | 70 km/h | 80 km/h | Gilt für alle Pkw mit Anhänger |
| Frankreich | 80 km/h | 130 km/h | Gespanne über 3.500 kg zulässiger Gesamtmasse: 90 km/h auf der Autobahn. Bei Regen 110 km/h |
| Niederlande | 80 km/h | 90 km/h | Anhänger über 3.500 kg: 80 km/h auf der Autobahn |
| Dänemark | 80 km/h | 80 km/h | 100 km/h nur nach Prüfung in Dänemark und mit dänischer Plakette |
| Kroatien | 80 km/h | 90 km/h | Schnellstraßen 80 km/h |
| Spanien | 80 km/h | 90 km/h | Werte nach Artikel 48 der spanischen Verkehrsordnung. 90 km/h gilt auf Autopistas und Autovías. Der ADAC nennt für Landstraßen noch 70 km/h |
Die Werte entsprechen dem Stand Oktober 2026. Tempolimits ändern sich, und einzelne Länder kennen Sonderregeln für Fahranfänger, Regen oder bestimmte Streckenabschnitte. In Frankreich erlauben manche Départements auf Landstraßen wieder 90 km/h, es gilt jeweils das Schild am Straßenrand. Eine Länderübersicht des ADAC zum Herunterladen findest du im PiNCAMP-Ratgeber Verkehrsbestimmungen für Wohnwagengespanne.
Für die Reiseplanung bedeutet das: Auf der Strecke über den Brenner an die Adria fährst du in Österreich 100 km/h und ab der italienischen Grenze 80 km/h. Rechne für 500 Kilometer Autobahn in Italien mit gut sechs Stunden reiner Fahrzeit. Auf dem Weg nach Istrien oder Dalmatien gelten 90 km/h, mehr zur Region steht im Beitrag Natur, Meer, Abenteuer: Camping in Kroatien.
Lange Etappen teilst du mit einem Zwischenstopp. Passende Campingplätze für Wohnwagen entlang deiner Route findest du im Verzeichnis von urlaubszeit.de, dort kannst du nach Ausstattung filtern und die Plätze auf der Karte ansehen.

Wie belädst du den Wohnwagen richtig?
Den Wohnwagen belädst du richtig, wenn schwere Gegenstände tief am Boden und nah an der Achse liegen, leichte Dinge in den Oberschränken und nichts Schweres im Heck. Die Stützlast liegt am besten knapp am erlaubten Höchstwert, das stabilisiert das Gespann.
Der Wohnwagen verhält sich wie eine Wippe mit der Achse als Drehpunkt. Gewicht weit hinten wirkt wie ein Pendel und verstärkt jede Seitenbewegung. Gewicht über oder knapp vor der Achse macht den Wohnwagen träge und ruhig. Diese Verteilung hat sich bewährt:
- Boden im Achsbereich: Vorzelt, Konserven, Getränke, Werkzeug, Auffahrkeile.
- Unterschränke und Staukästen: Geschirr, Töpfe, Schuhe, Campingmöbel.
- Oberschränke: Kleidung, Handtücher, Bettwäsche, leichte Vorräte.
- Heck und Heckgarage: nur leichte, sperrige Dinge wie Schlafsäcke oder Luftmatratzen.
Schweres Gepäck gehört ins Zugfahrzeug. Ein schweres Auto vor einem leichten Wohnwagen fährt stabiler als umgekehrt. Den Frischwassertank füllst du erst am Ziel, denn 40 Liter Wasser wiegen 40 Kilogramm. Der Gaskasten sitzt vorn an der Deichsel und treibt die Stützlast nach oben: Eine volle 11-Kilogramm-Stahlflasche wiegt gut 22 Kilogramm, zwei Flaschen rund 45 Kilogramm.
Lose Ladung sicherst du gegen Verrutschen. Bei einer Vollbremsung fliegt alles nach vorn, was nicht verstaut ist. Schubladen und Kühlschrank verriegelst du, Dachluken und Fenster schließt du. Den Reifendruck des Wohnwagens prüfst du vor jeder Reise am kalten Reifen, der richtige Wert steht in der Bedienungsanleitung. Am Zugfahrzeug erhöhst du den Druck der Hinterreifen auf den Wert für volle Beladung.
Was tun, wenn der Wohnwagen schlingert?
Wenn der Wohnwagen schlingert, hilft nur kräftiges Bremsen bei ruhig gehaltenem Lenkrad. Gas geben und Gegenlenken verstärken das Pendeln. Eine Antischlingerkupplung dämpft die Schwingungen über Reibbeläge am Kugelkopf und senkt das Risiko, ersetzt aber weder richtige Beladung noch angepasstes Tempo.
Schlingern entsteht durch einen seitlichen Impuls. Typische Auslöser sind Seitenwind auf Brücken, der Luftsog beim Überholen von Lkw und Bussen, Spurrillen und abrupte Lenkbewegungen. Die Pendelbewegung schaukelt sich oberhalb einer kritischen Geschwindigkeit von selbst auf. Diese Schwelle liegt bei jedem Gespann anders und sinkt mit geringer Stützlast, hecklastiger Beladung und zu niedrigem Reifendruck.
Die Antischlingerkupplung ersetzt die normale Kugelkupplung des Wohnwagens. Zwei bis vier Reibbeläge klemmen den Kugelkopf ein und bremsen Dreh- und Nickbewegungen. Der Kugelkopf am Auto bleibt dafür fettfrei und blank, sonst wirkt die Reibung nicht. Die Beläge verschleißen, eine Anzeige an der Kupplung zeigt den Zustand.
Elektronische Systeme gehen einen Schritt weiter. Die Gespannstabilisierung im ESP moderner Zugfahrzeuge erkennt das Pendeln und bremst einzelne Räder des Autos ab. Nachrüstbare Systeme am Wohnwagen bremsen bei Pendelbewegungen dessen Räder selbstständig. Beide Techniken greifen erst ein, wenn das Gespann bereits unruhig ist.
Tempolimits, Mautsätze und Führerscheinregeln ändern sich. Die Angaben in diesem Artikel entsprechen dem Stand Oktober 2026 und ersetzen keine Rechtsauskunft. Prüfe vor der Abfahrt die aktuellen Regeln deines Reiselands. Überladung und eine überschrittene Anhängelast führen zu Bußgeldern und zum Weiterfahrverbot bis zum Umladen. Beim Schlingern gilt: Fuß vom Gas, kräftig bremsen, Lenkrad gerade halten.
Wann brauchst du Zusatzspiegel und wie klappt das Rangieren?
Zusatzspiegel brauchst du, wenn der Wohnwagen breiter ist als das Zugfahrzeug und die serienmäßigen Außenspiegel die Fahrbahn neben und hinter dem Wohnwagen nicht mehr zeigen. Beim Rangieren lenkst du rückwärts entgegengesetzt zur gewünschten Richtung des Wohnwagens und korrigierst in kleinen Schritten.
Wohnwagen sind meist zwischen 2,10 und 2,50 Meter breit, ein Mittelklasse-Kombi misst ohne Spiegel rund 1,85 Meter. Die Straßenverkehrs-Zulassungs-Ordnung verlangt in Paragraf 56, dass du den Verkehr hinter dir beobachten kannst. Aufsteckspiegel klemmst du auf das Spiegelgehäuse oder an die Türkante. Fahrzeugspezifische Modelle sitzen fester und vibrieren weniger als Universalspiegel mit Spanngurt. Ohne Wohnwagen nimmst du die Spiegel ab, weil sie das Auto unnötig verbreitern.
Beim Rückwärtsfahren hilft eine einfache Regel: Fasse das Lenkrad unten an. Bewegst du die Hand nach links, schwenkt das Heck des Wohnwagens nach links. Lenke wenig und früh, denn der Wohnwagen reagiert verzögert und knickt dann schnell ein. Steht das Gespann zu stark im Winkel, fährst du ein Stück vor und richtest es gerade aus. Ein Einweiser hinter dem Wohnwagen bleibt immer im Spiegel sichtbar und nutzt vorher abgesprochene Handzeichen.
Kurven fährst du mit weitem Bogen, weil der Wohnwagen die Kurve enger schneidet als das Auto. Beim Überholen planst du die volle Länge des Gespanns ein, oft zwölf Meter und mehr. Ein Rangierantrieb, im Handel Mover genannt, bewegt den abgekuppelten Wohnwagen per Fernbedienung auf den Stellplatz. Er wiegt je nach Modell rund 30 Kilogramm und geht von der Zuladung ab.
Die ersten Rangierversuche machst du auf einem leeren Parkplatz oder bei einem Gespann-Fahrtraining, wie es Automobilclubs und Verkehrswachten anbieten. Wer vom Reisemobil kommt, findet Vergleichspunkte im Beitrag Unterwegs mit dem Wohnmobil: Das sollten Anfänger wissen.

Welche Maut zahlst du mit dem Wohnwagengespann?
Mit dem Wohnwagengespann zahlst du in Vignettenländern meist dieselbe Maut wie mit dem Auto allein, in Ländern mit Streckenmaut dagegen oft eine höhere Fahrzeugklasse. Österreich verlangt für den Wohnwagen keine Vignette, die Schweiz verlangt für Auto und Wohnwagen je eine eigene.
In Österreich brauchst du die Vignette nur für das Zugfahrzeug bis 3.500 Kilogramm. Anhänger sind von der Vignettenpflicht ausgenommen. Die Preise 2026 für Pkw: 12,80 Euro für zehn Tage, 32 Euro für zwei Monate und 106,80 Euro für das Jahr. Dazu kommen Sondermautstrecken wie Brenner, Tauern und Arlberg, die an der Mautstelle oder digital bezahlt werden. Wie der Kauf abläuft, erklärt der Beitrag E-Vignette in Österreich: Kaufen und Nutzen.
Die Schweiz kennt nur die Jahresvignette für 40 Franken, Stand 2026. Sie ist für Motorfahrzeuge und für Anhänger bis jeweils 3.500 Kilogramm Pflicht. Ein Gespann braucht also zwei Vignetten und zahlt 80 Franken. Das gilt auch für eine einzige Transitfahrt.
Italien, Frankreich, Kroatien und Spanien rechnen nach gefahrener Strecke ab. In den ersten drei Ländern rutscht das Gespann meist in eine höhere Klasse als das Auto allein. Italien zählt die Achsen, ein Pkw mit einachsigem Wohnwagen fährt als dreiachsiges Fahrzeug. Frankreich stuft Gespanne mit mehr als zwei Metern Höhe in die Klasse 2 ein, Kroatien jeden Pkw mit Anhänger. In Spanien zahlt ein Pkw mit einachsigem Wohnwagen ohne Zwillingsbereifung laut ADAC denselben Tarif wie das Auto allein. Kroatien plant ab September 2026 die schrittweise Einführung einer digitalen Maut ohne Schranken. Der landesweite Start ist laut ADAC für den 1. März 2027 vorgesehen, bis dahin zahlst du weiter an den Mautstationen. Die Niederlande erheben für Pkw-Gespanne keine Autobahnmaut. In Dänemark kosten die Brücken über den Großen Belt und den Öresund, der Preis richtet sich nach der Länge des Gespanns.
Einen Überblick über alle Systeme gibt der Beitrag Mautgebühren und Vignetten in Europa. Steht die Route, suchst du im Campingplatz-Verzeichnis von urlaubszeit.de nach Plätzen am Ziel und an der Strecke. Das Verzeichnis umfasst rund 33.800 Plätze in 37 europäischen Ländern.
💬 Meine EinschätzungDie Tempo-100-Zulassung wird überschätzt. Sie gilt nur in Deutschland, und der Zeitgewinn auf 300 Kilometern Autobahn liegt rechnerisch bei 45 Minuten, im dichten Ferienverkehr deutlich darunter. Unterschätzt wird dagegen das Gewicht. Die Führerscheingrenze von 3.500 Kilogramm, die Anhängelast und die Zuladung des Wohnwagens sind die drei Zahlen, an denen Gespanne in der Praxis scheitern, und alle drei lassen sich vor dem Kauf in zehn Minuten aus den Papieren ablesen. Wer neu einsteigt, fährt mit einem leichten Wohnwagen, einem schweren Zugfahrzeug und einer Antischlingerkupplung am entspanntesten. Die B96-Schulung lohnt sich für alle, die knapp über 3.500 Kilogramm liegen. Wer ohnehin ein großes Gespann plant, nimmt gleich BE und hat für spätere Fahrzeugwechsel Ruhe.
- Führerschein: B bis 3.500 kg Gespann, B96 bis 4.250 kg (7 Stunden Schulung, 300 bis 500 Euro), BE bis 7.000 kg.
- Papiere: Anhängelast im Feld O.1, Stützlast im Feld 13, zulässige Gesamtmasse im Feld F.2.
- Tempo 100: Reifen jünger als 6 Jahre, Index L, Faktor 0,8 oder 1,0 mit Antischlingerkupplung.
- Ausland: Italien und Dänemark 80 km/h, Kroatien und Spanien 90 km/h, Österreich und Schweiz 100 km/h auf der Autobahn.
- Beladung: Schweres tief und an die Achse, Wassertank leer, Stützlast nahe am Höchstwert.
- Maut 2026: Österreich ohne Vignette für den Wohnwagen, Schweiz 2 mal 40 Franken.
Häufige Fragen
Ja. Die Klasse B erlaubt Anhänger bis 750 Kilogramm zulässiger Gesamtmasse immer. Schwerere Wohnwagen sind erlaubt, wenn die zulässigen Gesamtmassen von Auto und Wohnwagen zusammen höchstens 3.500 Kilogramm ergeben. Maßgeblich sind die Werte aus den Fahrzeugpapieren und nicht das tatsächliche Gewicht am Reisetag. Darüber brauchst du B96 oder BE.
Nein. Die Tempo-100-Zulassung beruht auf einer deutschen Ausnahmeregelung und gilt nur auf Autobahnen und Kraftfahrstraßen in Deutschland. Im Ausland fährst du nach den Limits des jeweiligen Landes. Einige Länder erlauben Gespannen ohnehin 100 km/h oder mehr auf der Autobahn, andere wie Italien und Dänemark begrenzen Gespanne auf 80 km/h.
Die Stützlast misst du am reisefertig beladenen Wohnwagen auf ebenem Boden. Eine Stützlastwaage aus dem Campingzubehör setzt du unter die Kupplung. Alternativ stellst du ein Kantholz auf eine Personenwaage und legst die Kupplung in normaler Fahrhöhe darauf ab. Der Messwert darf den kleineren der beiden Höchstwerte von Auto und Wohnwagen nicht überschreiten.
Nein, eine Antischlingerkupplung ist in Deutschland nicht vorgeschrieben. Sie spielt aber bei der Tempo-100-Zulassung eine Rolle: Mit einer Stabilisierungseinrichtung darf der Wohnwagen so viel zulässige Gesamtmasse haben, wie das Zugfahrzeug leer wiegt. Ohne sie gilt der Faktor 0,8. Die meisten neueren Wohnwagen haben die Kupplung serienmäßig an Bord.
In Deutschland darf ein Gespann aus Pkw und Wohnwagen höchstens 18 Meter lang sein. Der Wohnwagen selbst darf höchstens 2,55 Meter breit und 4 Meter hoch sein. Für die Reise ins Ausland prüfst du die Maße des Ziellands, weil einzelne Länder abweichende Grenzen und zusätzliche Kennzeichnungen für überstehende Ladung wie Fahrräder vorschreiben.
