Camping für Anfänger gelingt mit sechs Dingen: einem Zelt mit mindestens 3.000 Millimetern Wassersäule, einem Schlafsack mit passender Komforttemperatur, einer Isomatte mit R-Wert ab 2, einem Gaskocher, einer Stirnlampe und einem Campingplatz mit Zeltwiese. Zwei Probenächte nahe dem Wohnort zeigen, was noch fehlt.
Der erste Zelturlaub braucht wenig Ausrüstung, aber die richtige. Entscheidend sind drei Kennwerte: die Wassersäule des Zelts, die Komforttemperatur des Schlafsacks und der R-Wert der Isomatte. Zelt, Schlafsack und Kocher lassen sich für das erste Wochenende leihen. Eine einfache Erstausstattung für zwei Personen liegt grob zwischen 300 und 700 Euro. Der Campingplatz wird nach Zeltwiese, Untergrund, Schatten und Entfernung zum Sanitärgebäude ausgewählt. Bei Gewitter bietet das Zelt keinen Schutz, das Auto und feste Gebäude schon.
Welche Ausrüstung brauchst du für den ersten Zelturlaub wirklich?
Die Grundausrüstung für den ersten Zelturlaub besteht aus vier Gruppen: Schlafen mit Zelt, Schlafsack und Isomatte, Kochen mit Gaskocher, Topf und Geschirr, Licht mit Stirnlampe und Ersatzbatterien sowie Kleinteile wie Gummihammer, Ersatzheringe, Müllbeutel und eine Wäscheleine. Alles andere ist Komfort.
Das Zelt wählst du eine Nummer größer als die Personenzahl. Hersteller berechnen die Personenangabe nach der reinen Liegefläche, meist 55 bis 60 Zentimeter Breite pro Person. Zwei Erwachsene mit Gepäck schlafen in einem Dreipersonenzelt deutlich entspannter. Für Camping mit dem Auto spielt das Gewicht keine Rolle. Ein Tunnel- oder Kuppelzelt mit Apsis, also einem überdachten Vorraum für Schuhe und Taschen, ist für Einsteiger die praktischste Bauform.
Der Kocher ist beim Autocamping fast immer ein Gaskartuschenkocher. Kocher mit Schraubkartusche nach der Norm EN 417 sind am weitesten verbreitet, die Kartuschen bekommst du in Outdoor-Läden und Baumärkten. Ein einflammiger Aufschraubkocher reicht für Nudeln, Kaffee und Pfannengerichte. Für Familien lohnt ein zweiflammiger Kocher mit Windschutz. Was in die Küchenkiste gehört, zeigt der Artikel Kochen: Packliste für die Campingküche.
Stühle, Tisch, Kühlbox und Sonnensegel machen den Aufenthalt bequemer, sind aber kein Muss für das erste Wochenende. Eine Picknickdecke und eine Klappkiste als Tisch genügen für zwei Nächte. Welche Kleinigkeiten sich später bezahlt machen, liest du in den Must-Have-Gadgets für deinen nächsten Campingausflug.
Fachbegriffe wie Apsis, Parzelle, Footprint oder Stellplatz tauchen in Produktbeschreibungen und Platzordnungen ständig auf. Das Camping-Glossar mit Begriffserklärungen auf urlaubszeit.de erklärt diese Wörter kurz und ohne Vorwissen.
Woran erkennst du ein dichtes Zelt, einen warmen Schlafsack und eine gute Isomatte?
Drei Kennwerte entscheiden über eine trockene und warme Nacht: die Wassersäule des Zelts in Millimetern, die Komforttemperatur des Schlafsacks nach der Norm DIN EN ISO 23537-1 und der R-Wert der Isomatte. Alle drei Werte stehen auf dem Etikett oder im Datenblatt des Herstellers.
Zelt: Was sagt die Wassersäule aus?
Die Wassersäule gibt an, welchem Wasserdruck ein Stoff standhält, bevor Feuchtigkeit durchdringt. Ein Wert von 3.000 Millimetern bedeutet: Das Gewebe hält dem Druck einer drei Meter hohen Wassersäule stand. Zeltstoff gilt im Handel ab 1.500 Millimetern als wasserdicht. Outdoor-Ratgeber nennen für das Außenzelt 3.000 Millimeter als solide Reserve bei Dauerregen.
Der Zeltboden braucht einen höheren Wert als das Außenzelt, mindestens 5.000 Millimeter. Der Grund ist der punktuelle Druck: Knie, Ellenbogen und Taschen pressen den Boden auf nassen Untergrund. Genauso wichtig wie die Zahl sind verklebte oder getapte Nähte. Ein Stoff mit 5.000 Millimetern nützt nichts, wenn die Nahtlöcher offen sind.

Schlafsack: Was bedeuten Komfort, Limit und Extrem?
Die Norm DIN EN ISO 23537-1 legt drei Temperaturwerte fest. Die Komforttemperatur gilt für eine Normfrau mit 25 Jahren, 60 Kilogramm und 1,60 Metern, die entspannt schläft, ohne zu frieren. Die Limittemperatur gilt für einen Normmann mit 70 Kilogramm und 1,73 Metern. Die Extremtemperatur beschreibt nur das Überleben für rund sechs Stunden und ist kein Kaufkriterium.
Bergzeit empfiehlt in seinem Ratgeber, immer die Komforttemperatur als Maßstab zu nehmen, auch als Mann. Für Sommernächte in Deutschland zwischen Juni und August passt ein Schlafsack mit Komfortwert zwischen 5 und 10 Grad. In Mittelgebirgen und an Seen fallen die Nachttemperaturen auch im Juli unter 10 Grad. Ein Inlett aus Baumwolle oder Fleece bringt zusätzliche Wärme und hält den Schlafsack sauber.
Isomatte: Wofür steht der R-Wert?
Der R-Wert misst den Wärmedurchgangswiderstand einer Isomatte, also die Isolierung gegen Bodenkälte. Seit 2020 messen die großen Hersteller nach dem einheitlichen Standard ASTM F3340, die Werte sind seitdem zwischen den Marken vergleichbar. Je höher die Zahl, desto wärmer die Matte.
Die Isomatte ist für die Wärme wichtiger als ein dicker Schlafsack, weil das Körpergewicht die Schlafsackfüllung am Rücken zusammendrückt. Eine einfache Luftmatratze ohne Isolierung hat einen sehr niedrigen R-Wert und kühlt den Körper von unten aus. Selbstaufblasende Matten mit Schaumkern oder isolierte Luftmatten lösen das Problem.
| Ausrüstung | Kennwert | Richtwert für Sommer-Camping | Richtwert für Frühjahr und Herbst |
|---|---|---|---|
| Außenzelt | Wassersäule | ab 1.500 mm, besser 3.000 mm | 3.000 mm und mehr |
| Zeltboden | Wassersäule | ab 5.000 mm | 5.000 mm und mehr |
| Schlafsack | Komforttemperatur | 5 bis 10 °C | 0 bis 5 °C |
| Isomatte | R-Wert | etwa 2 | 3 bis 4 |

Was kostet die Erstausstattung und was kannst du leihen?
Eine einfache Erstausstattung für zwei Personen kostet als Einsteigerware grob 300 bis 700 Euro. Die größten Posten sind das Zelt, zwei Schlafsäcke und zwei Isomatten. Zelt, Schlafsack, Kocher und Stühle lassen sich für das erste Wochenende leihen, was den Einstieg deutlich günstiger macht.
Die folgenden Beträge sind redaktionelle Richtwerte für Einsteigerware aus dem Sport- und Outdoorhandel, keine geprüften Durchschnittspreise. Markenprodukte mit geringem Packmaß kosten das Zwei- bis Dreifache. Für Autocamping ist dieses Geld schlecht angelegt, weil Gewicht und Packmaß im Kofferraum kaum zählen.
| Ausrüstung | Richtwert Einsteigerware | Leihen sinnvoll? |
|---|---|---|
| Zelt für 3 Personen | 80 bis 200 € | Ja, für den ersten Versuch |
| Schlafsack (pro Person) | 40 bis 100 € | Ja, mit eigenem Inlett |
| Isomatte (pro Person) | 30 bis 80 € | Ja |
| Gaskocher mit Kartusche | 30 bis 50 € | Ja, Kartusche neu kaufen |
| Topf, Pfanne, Geschirr | 20 bis 40 € | Nein, aus der eigenen Küche nehmen |
| Stirnlampe (pro Person) | 10 bis 20 € | Nein, kaufen |
| Hammer, Ersatzheringe, Leine | 15 bis 30 € | Nein, kaufen |
Leihen funktioniert über drei Wege. Der erste Weg sind Freunde, Familie und Nachbarn, bei denen ein Zelt ungenutzt im Keller liegt. Der zweite Weg sind Outdoor-Händler und Verleihportale, die Zelte, Schlafsäcke und Kocher tage- oder wochenweise vermieten. Der dritte Weg sind Vereine: Sektionen des Deutschen Alpenvereins verleihen Ausrüstung an Mitglieder. Frage vor der Abholung nach Vollständigkeit von Gestänge, Heringen und Abspannleinen.
Gebraucht kaufen spart ebenfalls Geld. Prüfe bei einem gebrauchten Zelt drei Punkte: Die Nahtbänder kleben noch fest, die Beschichtung auf der Innenseite ist nicht klebrig, und das Gestänge hat keine Risse. Ein Zelt, das muffig riecht, wurde feucht gelagert und ist oft nicht mehr zu retten.
Zu den Ausrüstungskosten kommen die Platzgebühren. Laut der Preisanalyse von PiNCAMP, dem Campingportal des ADAC, zahlt eine Familie mit zwei Erwachsenen und einem Kind in der Sommer-Hochsaison in Deutschland durchschnittlich 41 Euro pro Nacht (Stand 2026). Dieser Wert gilt für einen Standplatz mit Wohnmobil oder Wohnwagen. Zeltplätze hat die Analyse nicht erfasst. Die vollständigen Zahlen stehen in der PiNCAMP Preisanalyse 2026.
Wie findest du den richtigen Campingplatz und Stellplatz für dein Zelt?
Der richtige Campingplatz für den ersten Zelturlaub liegt höchstens zwei Autostunden entfernt, hat eine ausgewiesene Zeltwiese, ein Sanitärgebäude in Laufweite und einen kleinen Laden oder Kiosk. Der richtige Stellplatz ist eben, leicht erhöht, halbschattig und liegt nicht direkt am Hauptweg.
Nicht jeder Campingplatz nimmt Zelte auf. Reine Wohnmobilstellplätze und Dauercampinganlagen haben oft keine Wiese für Zelte. Im Verzeichnis von urlaubszeit.de findest du über das Merkmal Zelte gezielt Zeltplätze, die Zeltgäste aufnehmen. Wer für die Premiere in der Nähe bleiben will, sucht unter Campingplätze in Deutschland nach einem Platz in der eigenen Region.
Deutschland ist für den Einstieg auch preislich ein gutes Ziel. PiNCAMP nennt für 2026 einen europäischen Durchschnitt von 49 Euro pro Nacht, Deutschland liegt mit 41 Euro auf Platz drei der günstigsten Länder hinter Norwegen und Schweden. Günstigstes Bundesland ist Thüringen mit 34 Euro, am teuersten ist Brandenburg mit 45 Euro. In der Nebensaison liegen die Preise in Deutschland laut PiNCAMP rund 11 Prozent unter dem Niveau der Hochsaison.
Reserviere in den Sommerferien und an langen Wochenenden wie Pfingsten oder Fronleichnam vorab. Frage bei der Buchung nach vier Dingen: der Größe der Zeltfläche, einem Parkplatz am Zelt oder außerhalb, den Kosten für Duschen und Strom sowie den An- und Abreisezeiten. Kleine Zelte stehen auf vielen Plätzen auf einer gemeinsamen Wiese ohne feste Parzellen.
Auf dem Platz selbst zählt der Untergrund. Kurzer Rasen auf festem Boden hält Heringe am besten. Senken und Mulden füllen sich bei Regen mit Wasser. Ein Platz direkt unter Bäumen spendet Schatten, bringt aber Harz, Tropfwasser nach dem Regen und bei Sturm herabfallende Äste. Halbschatten am Vormittag ist ideal, weil sich ein Zelt in der Morgensonne ab 8 Uhr stark aufheizt.
Freies Zelten außerhalb von Campingplätzen ist in Deutschland und den meisten Nachbarländern nicht oder nur eingeschränkt erlaubt. Die Regeln je Land stehen im Artikel Wildcamping in Europa: Was ist erlaubt und was nicht?
Wie läuft die Ankunft auf dem Campingplatz ab?
Die Ankunft auf dem Campingplatz folgt vier Schritten: Anmeldung an der Rezeption mit Ausweis, Zuweisung oder freie Wahl des Stellplatzes, Aufbau des Zelts und ein Rundgang zu Sanitärgebäude, Spülküche und Müllstation. Plane die Ankunft für den frühen Nachmittag, mindestens drei Stunden vor Sonnenuntergang.
Die Rezeption ist auf den meisten Plätzen nicht durchgehend besetzt. Üblich ist eine Mittagspause zwischen 13 und 15 Uhr, in der auch die Schranke geschlossen bleibt. Die genauen Zeiten stehen auf der Website des Platzes. Bei der Anmeldung nennst du Personenzahl, Zeltgröße, Fahrzeug und Aufenthaltsdauer. Du erhältst einen Platzplan, oft eine Schrankenkarte gegen Pfand und Duschmarken oder eine Chipkarte.
Die Platzordnung regelt die Ruhezeiten. Verbreitet sind eine Mittagsruhe von 13 bis 15 Uhr und eine Nachtruhe von 22 bis 7 Uhr. In diesen Zeiten fahren keine Autos über den Platz, Musik und laute Gespräche sind tabu. Wer später anreist, parkt vor der Schranke und trägt das Gepäck zu Fuß zum Zelt.
Zum guten Ton gehören drei Regeln. Erstens läufst du nicht quer über fremde Parzellen, sondern nutzt die Wege. Zweitens entsorgst du Spülwasser in der Spülküche und nicht im Gebüsch. Drittens bleibt offenes Feuer auf die ausgewiesenen Grillstellen beschränkt. Hunde sind auf den meisten Plätzen an der Leine zu führen, Details liefert der Beitrag Die wichtigsten Infos für Camping mit Hund.
Die Abreise ist meist bis 11 oder 12 Uhr fällig. Bezahlt wird je nach Platz bei der Ankunft oder am Vorabend der Abreise. Kläre bei der Anmeldung, ob Kartenzahlung möglich ist. Kleine Plätze nehmen häufig nur Bargeld.

Wie baust du das Zelt richtig auf?
Der Zeltaufbau gelingt in fünf Schritten: Fläche von Steinen und Ästen befreien, Zelt mit dem Eingang zur windabgewandten Seite ausrichten, Gestänge einziehen, Ecken abspannen und alle Leinen setzen. Ein Probeaufbau im Garten oder Park vor der Reise spart auf dem Platz eine halbe Stunde.
Der Probeaufbau zeigt drei Dinge: ob alle Teile vorhanden sind, welche Stange in welchen Kanal gehört und wie groß die Stellfläche wirklich ist. Schiebe die Gestängebögen durch die Kanäle, statt an ihnen zu ziehen. Beim Ziehen lösen sich die Segmente im Kanal und verkanten.
Heringe hält der Boden am besten, wenn du sie schräg einschlägst, in einem Winkel von etwa 45 Grad mit der Spitze zum Zelt. Die Standardheringe aus dünnem Draht verbiegen sich in hartem Boden. Ein Satz stabiler Heringe mit V- oder Y-Profil kostet wenige Euro und gehört zu den sinnvollsten Zukäufen.
Spanne das Außenzelt so, dass es das Innenzelt an keiner Stelle berührt. An Kontaktstellen wandert Kondenswasser nach innen. Ein Mensch gibt pro Nacht über Atem und Haut mehrere hundert Milliliter Feuchtigkeit ab, die sich an der kalten Innenseite des Außenzelts niederschlägt. Offene Lüfter und ein Spalt am Eingang verringern die Tropfenbildung deutlich.
Eine Zeltunterlage schützt den Boden vor Steinen und Nässe. Die Unterlage muss rundum einige Zentimeter kleiner sein als die Grundfläche des Zelts. Ragt die Plane über den Rand hinaus, läuft Regenwasser vom Außenzelt auf die Plane und sammelt sich zwischen Unterlage und Zeltboden. Das Zelt steht dann in einer Pfütze, obwohl der Boden dicht ist. Überstehende Ränder schlägst du einfach nach unten um. Eine zugeschnittene Gewebeplane aus dem Baumarkt erfüllt den Zweck genauso wie ein Original-Footprint des Herstellers.

Welche Anfängerfehler passieren beim ersten Camping am häufigsten?
Die sechs häufigsten Anfängerfehler beim Camping sind eine zu späte Ankunft, ein Schlafsack nach Extremwert, eine Luftmatratze ohne Isolierung, ein Stellplatz in der Mulde, Kochen im Zelt und ein nass verpacktes Zelt. Jeder dieser Fehler lässt sich mit einem Handgriff vermeiden.
- Ankunft bei Dämmerung: Der Aufbau im Dunkeln dauert doppelt so lang und stört die Nachbarn. Starte so, dass du am frühen Nachmittag ankommst.
- Schlafsack nach Extremwert gekauft: Maßgeblich ist die Komforttemperatur. Ein Extremwert von minus 5 Grad sagt nichts über erholsamen Schlaf bei 8 Grad.
- Luftmatratze statt Isomatte: Die Luft in der Matratze nimmt die Bodentemperatur an. Eine Matte mit R-Wert 2 oder mehr isoliert spürbar besser.
- Stellplatz in der Senke: Regenwasser sammelt sich am tiefsten Punkt. Wähle eine leicht erhöhte Stelle.
- Kocher im Zelt: Offene Flammen im Zelt bedeuten Brandgefahr und Kohlenmonoxid. Gekocht wird draußen oder unter einem offenen Vordach mit Abstand zum Stoff.
- Zelt nass eingepackt: Ein feucht verpacktes Zelt schimmelt innerhalb weniger Tage. Hänge das Zelt zu Hause sofort zum Trocknen auf.
Ein siebter Fehler betrifft das Gepäck. Einsteiger packen zu viel Kleidung und zu wenig Warmes ein. Eine lange Unterhose, dicke Socken, eine Mütze und eine Fleecejacke wiegen wenig und retten kühle Abende. Lebensmittel gehören über Nacht ins Auto oder in eine verschlossene Kiste, weil offene Vorräte Igel, Füchse, Mäuse und Ameisen anziehen.
Plane den ersten Zelturlaub bewusst kurz. Zwei Nächte von Freitag bis Sonntag reichen, um Aufbau, Schlafkomfort und Kochroutine zu testen. Wer schon ein Auto mit Dachträger besitzt und den Aufbau am Boden scheut, findet eine Alternative im Artikel Dachzelt-Abenteuer.
Wie verhältst du dich im Zelt bei Regen und Gewitter?
Bei Regen bleibt das Zelt trocken, wenn alle Leinen gespannt sind, nichts die Zeltwand berührt und nasse Kleidung in der Apsis bleibt. Bei Gewitter schützt das Zelt nicht vor Blitzen. Sicher sind das Auto mit geschlossenen Fenstern und feste Gebäude wie das Sanitärhaus.
Spanne vor angekündigtem Regen alle Abspannleinen nach. Nasser Zeltstoff dehnt sich, vor allem Nylon, und hängt dann durch. Rucksäcke und Schlafsäcke liegen mit Abstand zur Wand, weil Druck auf den Stoff Wasser durchzieht. Schuhe und Regenjacken bleiben im Vorraum. Gräben rund um das Zelt sind auf Campingplätzen in der Regel verboten, weil sie die Wiese beschädigen.
Die Entfernung eines Gewitters berechnest du über den Schall: Zähle die Sekunden zwischen Blitz und Donner und teile die Zahl durch drei. Das Ergebnis ist die Entfernung in Kilometern. Bei 30 Sekunden ist das Gewitter rund zehn Kilometer entfernt. Spätestens dann gehst du ins Auto oder ins Sanitärgebäude. Die Gefahr ist erst vorbei, wenn 30 Minuten lang kein Donner mehr zu hören war.
Der Verband der Elektrotechnik VDE stuft den Aufenthalt in einem Zelt ohne Metallgerüst bei Gewitter als genauso gefährlich ein wie den Aufenthalt im Freien. Der VDE nennt für den Stellplatz zwei Abstände: mindestens drei Meter zu benachbarten Zelten und Fahrzeugen und mindestens zehn Meter zum nächsten Baum samt Ästen. Exponierte Lagen auf Hügeln, am Waldrand, neben Masten und unter einzeln stehenden Bäumen scheiden aus. Metallene Spannseile zwischen Zelten sind tabu. Die Empfehlungen stehen auf der VDE-Seite Blitzschutz beim Camping und Zelten.
Bleibt kein Gebäude und kein Auto erreichbar, verringerst du das Risiko mit der Hockstellung: Füße eng zusammen, in die Hocke gehen, Arme an den Körper, auf einer trockenen Isomatte und mit Abstand zum Gestänge. Hinlegen vergrößert die Kontaktfläche zum Boden und damit die Gefahr durch Schrittspannung.
Ein Zelt ist kein Blitzschutz. Prüfe vor jeder Nacht die Wetterwarnungen, zum Beispiel in der WarnWetter-App des Deutschen Wetterdienstes, und lege den Weg zum Auto und zum nächsten festen Gebäude vorher fest. Bei amtlicher Unwetterwarnung vor Sturm oder Starkregen gelten die Anweisungen des Platzbetreibers. Kochen, Heizen und Grillen im geschlossenen Zelt sind wegen Kohlenmonoxid lebensgefährlich, auch mit erloschener Glut.
💬 Meine EinschätzungDie gängige Annahme lautet: Für den ersten Zelturlaub braucht es ein teures Zelt. Die Kennwerte zeigen etwas anderes. Über eine gute Nacht entscheidet zuerst die Isomatte, dann der Schlafsack und erst an dritter Stelle das Zelt. Ein Einsteigerzelt mit 3.000 Millimetern Wassersäule und getapten Nähten hält einen Sommerregen aus. Eine Matte ohne Isolierung verdirbt dagegen jede Nacht unter 12 Grad. Überschätzt wird außerdem die Länge der ersten Reise. Zwei Nächte auf einem Platz in der Nähe, mit geliehenem Zelt und eigenem Inlett, liefern alle Antworten, die für die Kaufentscheidung nötig sind. Unterschätzt wird das Gewitter. Wer den Weg zum Auto kennt und die 30-Sekunden-Regel anwendet, hat das größte Risiko des Zeltens im Griff. Zelten lohnt sich für alle, die mit wenig Geld herausfinden wollen, ob Camping zu ihnen passt.
- Zelt: Außenzelt 3.000 mm Wassersäule, Boden ab 5.000 mm, Nähte getapt, eine Person größer kaufen
- Schlafsack: Komforttemperatur nach DIN EN ISO 23537-1 zählt, für den Sommer 5 bis 10 Grad
- Isomatte: R-Wert etwa 2 im Sommer, 3 bis 4 für Frühjahr und Herbst
- Platzkosten: 41 Euro pro Nacht im deutschen Durchschnitt für die Musterfamilie mit Wohnwagen oder Wohnmobil (PiNCAMP, Stand 2026)
- Ankunft: früher Nachmittag, Ruhezeiten meist 13 bis 15 Uhr und 22 bis 7 Uhr
- Gewitter: Sekunden zwischen Blitz und Donner durch drei teilen, unter 30 Sekunden ins Auto oder Gebäude, 30 Minuten nach dem letzten Donner warten
Häufige Fragen
Zwei Nächte von Freitag bis Sonntag reichen für den ersten Zelturlaub. In dieser Zeit testest du Aufbau, Schlafkomfort und Kochen, ohne dass ein Fehlkauf oder schlechtes Wetter den ganzen Urlaub belastet. Ein Campingplatz in höchstens zwei Autostunden Entfernung hält die Anreise kurz und macht eine vorzeitige Heimfahrt bei Dauerregen unkompliziert.
Für ein Wochenende im Zelt ist kein Stromanschluss nötig. Eine Stirnlampe mit Ersatzbatterien und eine geladene Powerbank für das Handy decken den Bedarf von zwei Nächten. Ein Stromanschluss lohnt erst bei längeren Aufenthalten mit elektrischer Kühlbox. Viele Campingplätze berechnen Strom zusätzlich, frage den Preis bei der Buchung ab.
Für Einsteiger mit Auto eignen sich Kuppelzelte und Tunnelzelte mit Apsis. Ein Kuppelzelt steht ohne Abspannung von selbst und lässt sich nach dem Aufbau noch verschieben. Ein Tunnelzelt bietet bei gleicher Grundfläche mehr Stauraum im Vorraum, braucht aber festen Boden für die Heringe. Wurfzelte stehen in Sekunden, sind bei Wind jedoch weniger stabil.
Baue das Zelt möglichst trocken ab und hänge es zu Hause innerhalb von 24 Stunden vollständig aus, zum Beispiel über Wäscheständer oder Balkongeländer. Erst wenn Außenzelt, Innenzelt und Boden ganz trocken sind, kommt das Zelt locker in den Packsack. Gelagert wird es kühl, trocken und dunkel. Feuchte Lagerung führt zu Schimmel und löst die Beschichtung.
Ziehe eine trockene Schicht aus langer Unterwäsche, Socken und Mütze an und lege eine zweite Lage unter die Isomatte, etwa eine Picknickdecke oder Kleidung. Eine mit warmem Wasser gefüllte, dicht verschlossene Trinkflasche im Fußraum wärmt zusätzlich. Eine kleine Mahlzeit vor dem Schlafen hilft dem Körper, Wärme zu erzeugen. Schließe die Kapuze des Schlafsacks eng um den Kopf.
