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Auf den Kanaren und Madeira unterwegs mit der NOVA

by Urlauber
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DIE AIDA NOVA ist gerade mal 3 Wochen alt und entsprechend ist dies die dritte Reise, wenn man so will.

Vorweg die Überführung hier in diese Region kann man mitzählen, wenn man mag. Außerdem hat diese Route die Besonderheit, dass wie bei einem Hopp-On Hopp-Off Bus bei einigen Stopps neue Passagiere kommen und andere das Schiff wieder verlassen – in der Regel liegt das daran, dass deren Urlaub dann auch zu Ende ist. Ist es also die dritte Reise, oder zählt jeder Passagierwechsel mit?
Für uns spielt das keine Rolle, wir wollen neben der verdienten Erholung in diesem schönen Flecken Welt auch die Vorzüge und eventuell die Nachteile dieses neuen Schlachtschiffes der AIDA Flotte, der NOVA, austesten.

Ich beginne das Schreiben meines Erfahrungsberichtes gemütlich in einer der zahlreichen Sitzgruppen. Meine Frau und ich lassen es uns bei einem köstlichen Cocktail gut gehen, während ich hier unsere ersten Eindrücke zu Tastatur bringe.
Und jetzt, kurz vor Ende der Reise, können wir ein erstes Fazit für uns ziehen: Es gibt viel Licht und einigen Schatten. Und dieses Bild verdichtet sich beim Austausch mit anderen Gästen, welchen man unweigerlich beim gemeinsamen Besuch der verschiedenen Restaurants betreibt.
Wir wissen ja: Es wird immer Leute geben, die den ganzen Urlaub mit verkniffenem Gesicht herumlaufen und die in jeder Suppe nicht nur das eine berühmte Haar suchen, sondern gleich einen ganzen Schopf davon herausziehen können. So hat jeder seine Hobbies, aber wir versuchen, uns von dieser Art Menschen weitgehend fern zu halten, weil uns unsere eigenen Urlaubstage für Miesepeterigkeit jeder Art viel zu schade sind.
Dennoch möchte ich hier offen auch auf die zu kritisierenden Punkte eingehen. Wir sind überzeugt, dass die eine oder andere Kinderkrankheit schon bald beseitigt sein wird.

Unsere Balkon Comfort Kabine auf der AIDAnova

Meine Frau und ich haben die Tour ab Gran Canaria gebucht. Wir entschieden uns für eine Balkon-Comfort Kabine, die zu dieser recht günstigen Reisezeit für uns perfekt in den privaten Haushaltsplan passte. Da wir im Anschluss an die Kreuzfahrt den Urlaub noch mit ein paar Tagen Gran Canaria in einem sehr guten Hotel ausdehnen wollen, hatten wir uns diesmal auch wieder für eine individuelle Anreise entschieden.

Wir waren bereits mittags auf dem Schiff, und so hatten wir schon am ersten Tag Zeit, uns auf eine ausgiebige Erkundungstour zu begeben.
Schon von außen ist man von der Größe überwältigt oder – je nach Naturell – erschlagen. Das Schiff ist einfach unglaublich groß und steht mit seinen 6600 möglichen Gästen sowie 1400 Mann Besatzung nicht viel seinen großen amerikanischen Kollegen nach. Unsere Reise ist mit etwa 6200 Personen bebucht und es sind eine Unmenge Kinder dabei, da in Hessen zu dieser Zeit noch Ferien sind.

Tatsächlich waren wir auch zu Beginn skeptisch, ob so ein großes Schiff wie die AIDAnova das richtige für uns sein wird. Das weiß ich nun noch immer nicht genau, aber Fakt ist auch: Das Schiff fasziniert auf vielen Ebenen, und es enttäuscht dann auch wieder, wo man es nicht unbedingt erwartet hat.
Vielleicht liegt es daran, dass es keinen gemeinsamen Anfang und kein gemeinsames Ende dieser Reise für alle Gäste gibt, wenn diesmal kein Entertainment-Manager einer großen Runde von urlaubswütigen Reisenden zuprostet und sie daran erinnert: “SIE HABEN URLAUB!!!”. Das haben wir tatsächlich etwas vermisst. Wir haben auch keinen Ort gefunden, wo es denn überhaupt einen Begrüßungssekt oder ähnliches gegeben hätte.

Beachclub auf der AIDAnova

Es gibt auf der AIDAnova auch nicht mehr das eigentliche Pooldeck, wie man es von den kleineren Schiffen her als zentralen Ort für Zusammenkünfte kennt. Daher kann es schnell passieren, dass man ein “wichtiges Event” einfach nicht mitbekommt. So mag es einen Begrüßungssekt gegeben haben, nur haben wir davon nichts erfahren.
Die Rolle des Pooldecks nimmt nun weitgehend der Beachclub ein, der am Abend mit heißen Rhythmen und einer schönen medialen Installation vor allem junges Publikum anspricht. Für die junge Zielgruppe ist auch das „Cube“ gedacht, wir haben nur tagsüber dort mal vorbei geschaut.

Auf Grund seines neuen Flüssiggasantriebes ist das Schiff nicht nur sauber und umweltfreundlicher (hier mag der eine oder andere noch streiten) sondern auch sehr leise.

Wunderschön gestaltet sind eigentlich fast alle Locations. Mit höchstem Respekt bleibt festzustellen, dass hier Design Profis am Werk waren, die ein traumhaftes, erholsames Ambiente erschaffen haben. Und je nach dem, wonach einem der Sinn steht, taucht man ein in die luxuriöse Welt eines Yachtclubs, in Hemingways Wohnzimmer, in japanische Kirschblütenpracht oder bayrische Brauhausromantik. Lediglich auf die eine oder andere Plastikfrucht in der Deko der Restaurants hätte ich gerne verzichten können.

French Kiss Restaurant

Es gibt eine nahezu unüberschaubare und keinesfalls in einer Woche kennen zulernende Vielfalt an Restaurants, Bars, Clubs und anderen Locations auf der AIDAnova.
Dabei sind die gewohnten Klassiker wie das “Marktrestaurant” oder das “Bella Donna”, bei denen Buffet und Getränke im Reisepreis enthalten sind. Den AIDA Profis bekannt sein dürfte auch das “Rossini”, welches schon immer per Zuzahlung und meistens nur nach Voranmeldung zu besuchen war. Auch das “East” ist als Buffetrestaurant mit einer etwas mehr asiatischen Auslegung von anderen Schiffen bekannt. Das “Brauhaus” besitzt diesmal auch einen außen liegenden Bereich, ebenso wie das angrenzende Steakhaus Churrascaria.
Neu ist auch Street Food – hier bekommt man Curry Wurst, Döner oder bei “Stulle Und Brot” lecker zubereitete und belegte Backwaren.

Das Oceans Restaurant

Wir haben in unseren Urlauben immer die Möglichkeit sehr zu schätzen gewusst, am späten Nachmittag bei Bedarf die Sauna nutzen zu können. Das geht hier auch, aber nur bei Voranmeldung gegen richtig viel Geld, wie ich finde. Eine Zuzahlung könnte ich akzeptieren, aber der Preis eines vollen Wellnesstages „draußen“ ist meiner Meinung nach einfach deutlich „drüber“, zumal ich die Sauna gerne spontan und für 1-2 Stunden nutzen würde. Aber an Seetagen ist sowieso bereits alles ausgebucht, und somit scheint AIDA aus kommerzieller Sicht die richtige Entscheidung getroffen zu haben. Jedoch uns fehlt vor allem die Möglichkeit eines spontanen Saunabesuches, und genau mit dieser Enttäuschung waren wir nicht allein.

Die Tatsache, dass sowohl auf Gran Canaria als auch auf Teneriffa neue Urlauber kommen und einige der „alten“ das Schiff verlassen, verbreitet einiges an Unruhe. Man selbst möchte eigentlich nicht vor der Abreise unnötig an diesen völlig überflüssigen Termin erinnert werden. Dazu kommt die Seenotrettungsübung, die zu diesen Terminen für die neuen Gäste stattfindet. Diese Unterbrechungen stören jedoch im organisatorischen Ablauf und noch mehr bei der eigenen Erholung, auch wenn man selbst nur beim ersten Mal teilnehmen muss.

Wir haben hier durchgehend sehr freundliches Personal vorgefunden, auch wenn der eine oder andere Angestellte schon nicht so glücklich mit mancher organisatorischen Panne zu sein schien. So ist uns die Art der Eingabe der Bestellungen in den Bars aufgefallen: Das bei der Crew allgegenwärtige Handy nimmt zwar wohl irgendwann die Eingaben entgegen, jedoch hatten wir eher den Eindruck, als müsste die Person hinter der Theke erst in verschiedenen Spielen die Welt retten, bevor das Gerät zum Unterschreiben zum Gast kommen kann. In den letzten Tagen wurde wohl an mancher Stelle wieder zum althergebrachten Zettel gewechselt.

Der nächste, und von sehr vielen Mitreisenden kritisierte Punkt, ist die Art der Reservierungen. Dies betrifft die Spezialitätenrestaurants ebenso wie die Ausflüge. Man kann dies alles bereits lange vor der Reise online reservieren. Theoretisch zumindest, denn viele Gäste berichteten von großen Schwierigkeiten bei der Online-Reservierung.
Meine Frau und ich wollen im Urlaub eigentlich gerne spontan unsere Entscheidungen treffen. Und so sind wir nicht dazu gewillt, schon etliche Wochen vor dem Termin festzulegen, wann wir genau in welchem Restaurant was essen möchten. Sowohl bei der „Time Machine“, als auch im „Oceans“ und im “Casanova” haben wir uns mit den Restaurant Managern unterhalten, und es scheint eine für uns Gäste schwer nachvollziehbare Diskrepanz zu geben zwischen halb leeren Restaurants und der Information, dass schon alles ausgebucht sei.
Wir haben uns neulich um 17:00 Uhr ins Getümmel gestürzt und tatsächlich noch einen Tisch für den Donnerstag Abend für das „Oceans“ reservieren können, sowie für das „Casanaova“ am Freitag, unserem letzten Abend auf der AIDAnova.

Nach unserer Buchung an Bord waren wir gespannt, ob unsere geplanter Ausflug auf Lanzarote für uns stattfinden wird. Auch hier gab es wieder die Aussage vom sehr netten weiblichen Reise-Scout, dass die Bestätigung erst erfolgt, nachdem die Online Buchungen der ganz neuen Gäste in den nächsten Tagen eingetroffen sind. Inzwischen haben wir die Zusage, aber natürlich frage ich mich als Mensch mit einem ganz guten IT Verständnis, wo hier das Problem liegt. Ob die Internetverbindung auf See daran schuld sein könnte, dass offline und online Datenbanken eventuell nicht zusammengeführt werden können, erschließt sich uns nicht.

Eines der ganz persönlichen Highlights auf der NOVA ist die Rock Box, die sowohl vom Ambiente als auch von der Musik unseren Geschmack getroffen hat. Neben der sehr guten Band und dem Sänger mit der passenden Stimme sogar für AC/DC Songs war der Gastauftritt von AIDA Stars Daniel Jackson zusammen mit der Band etwas, was ich als wirklich gelungenen Abend bezeichne.
Leider mussten auf Grund von Krankheit oder technischen Problemen einige der angekündigten Darbietungen ausfallen. Man muss der AIDAnova Organisation und den Künstlern zugute halten, dass es einen Ersatz gab, der natürlich dann allerdings nicht das versprochene Thema (zum Beispiel Artistik oder Country Music) bedienen konnte.

Die Teppiche in einigen der Restaurants wirken, als wären diese schon in den 70er gelegt worden: Leider fleckig und voller Flusen. Wann wird hier wohl der erste Austausch erfolgen müssen? Dass die Fahrstühle teilweise quietschen und sich in unserem Zimmer wie Wahlgesänge anhören, können wir verschmerzen.

Minigolf kann man draußen spielen, jedoch haben wir dies aus Zeitmangel nicht ausprobiert, obwohl es sehr reizvoll gewesen wäre. Statt dessen habe ich versucht, die Fitnessgeräte draußen zu benutzen, bin aber bald doch wieder auf das vertraute Laufband im Inneren ausgewichen. Die Geräte für draußen scheinen mir sehr einfach und robust, was sie sicher auch des Seewassers und Windes auch sein müssen. Jedoch erscheint mir der Trainingseffekt fraglich zu sein, da man keine individuellen Belastungen einstellen kann.

Das Essen in den Buffetrestaurants ist zwar gut, jedoch muss man sich damit abfinden, dass hier nicht mehr variiert wird. Jeden Tag gibt es also dasselbe Angebot. Diesmal haben wir sehr das sonst immer vorhandenen Obst vermisst: Ananas (nur sehr eingeschränkt vorhanden), Mango, Passion Fruit, Jackfruit, Maracuja, manches davon wir haben wir gar nicht gesehen und einiges gegen Ende der Reise sehr vereinzelt. Auf einen Teller mit Südfrüchten hatten wir uns eigentlich gefreut.

Nun haben wir auch den Kapitän (Boris Becker – jedoch nicht verwandt mit DEM Boris Becker, wie er selbst scherzhaft anführte) im Theatrium kennen gelernt. In einer kurzweiligen halben Stunde gab er auf sympathische Weise Auskunft über den Bau der AIDAnova, und brachte einige interessante Fakten und Aspekte an. Das Schiff fährt, obwohl es im Notfall auch herkömmlichen Treibstoff verbrennen kann, bereits seit Dezember ausschließlich mit Flüssiggas.
Sehr sympathisch war auch das von der Mannschaft produzierte schiffseigene Motivationsvideo mit eigenem AIDAnova Song.

Wir haben ein wenig die zentrale Rolle des Theaters vermisst, wie wir es von anderen Schiffen her kennen. Zwar gibt es hier das Studio-X, wo zum Beispiel die Primetime von Entertainment Manager Tom live aufgeführt und als Fernsehsendung produziert wird. Auf anderen Schiffen jedoch ist rund um die Uhr eigentlich etwas im Theatrium los: Es wird der Reisefilm gezeigt, die Primetime produziert, es finden Vorträge zu Reisen statt, oder es treten auch schon mal Motivationstrainer o.ä. auf. Diese Art der Unterhaltung an zentralerem Ort wäre auch hier schön gewesen.
Die Ausflüge sind wie immer sehr professionell organisiert. Allerdings gibt es keine gedruckten Tickets mehr und keine Infos über Treffpunkt etc. mehr am Vorabend auf die Kabine. Wir haben damit nicht gerechnet, und daher beinahe unseren geplanten Ausflug verdöst.
Als positiv haben wir die Tatsache zur Kenntnis genommen, dass die Treffen zu den Ausflügen nicht mehr irgendwo im Theatrium oder an anderen Orten auf dem Schiff statt finden, sondern dass man sich direkt vor dem Schiff trifft. Das spart Zeit und schafft Freiraum für alle.

Diese Reise dürfte einen recht niedrigen Durchschnitt beim Alter erreichen: Sehr viele Familien mit Kindern fahren hier mit. Und für genau diese Zielgruppe scheint das Schiff vor allem gemacht zu sein. Entsprechend wuselig kann es auch schon mal werden, wo viele Menschen zusammen kommen – vor allem in den Buffetrestaurants.

Von vielen AIDA Vielfahrern bekommen wir das Feedback, was wir selbst auch resümieren: Die Qualität der Betreuung wie auch die Auswahl an Speisen hat mit den Jahren eindeutig nachgelassen. Sicher ist dies den immer größer werdenden Schiffen und dem immer intensiver betriebenen Massentourismus geschuldet.

Wir zollen großen Respekt einer großartigen Organisation für tausende von Menschen und der Fähigkeit von AIDA und der Crew, fast für jeden einen schönen Urlaub anzubieten.

Würden wir die AIDAnova unseren Freunden empfehlen? Dem einen oder anderen unbedingt, das hängt von den Umständen oder auch Vorlieben ab. Fest steht nämlich eines: Man kann hier großartig auf dem Schiff als Familie mit Kindern, gleich welchen Alters, Urlaub machen. Dazu kommt ja noch die Tatsache, dass Kinder umsonst mitfahren, wenn zwei Vollzahler die Kabine bewohnen – viele besser geht es kaum.

Für uns selbst: Trotz eines tollen Urlaubs – wir selbst würden wohl eher versuchen, auf mittleren bis kleineren Schiffen wie AIDAmar, AIDAcara oder einer ähnlichen Klasse zu fahren, in der Hoffnung, dass man dort an den Service aus den alten Tagen anknüpfen kann. Was nicht heißt, dass wir die AIDAnova meiden würden – und vielleicht wären wir bei einer zweiten Reise überrascht, dass gewisse Schwachstellen ausgebügelt wurden.

Alles in allem ein toller Urlaub und abermals: Danke AIDA!!!

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